Niederlausitzer Fundgrube

Der Heimatwanderer Nr. 6 und 7 / 1931

1. Visitationsakte zum Gehren den 13. Januarii 1656.
(Zur Zeit des Pfarrers Christian Nathusius. Nach H. v. Nathusius Geschichte der Familie v. Nathusius. Greifswald 1902.)
Von Gallus, Berlin.

Das zu Lüben 5. April 1658 unterschriebene Protokoll wurde vom zuständigen Lübbener Konsistorium aufgestellt und nach dessen Aufhebung an die Regierung nach Frankfurt a. O. abgegeben. Dort schrieb es der verstorbene Superintendent Tschabran ab und gab die Abschrift an das Pfarrarchiv Gehren.
Dieses Protokoll ist ein recht wertvoller Beitrag zur Kulturgeschichte insbesondere des Lebens der Pfarrer nach dem 30jährigen Kriege. Wenn auch die Wohnung und Hoflage jämmerlich waren, so waren sie nach anderen Berichten 8 Jahre nach Abschluß des furchtbaren Krieges nicht die schlechtesten, auch nicht hinsichtlich der Einkünfte und der Haltung des damals stark verwilderten Landvolkes. An anderen Stellen mußte erst Pfarrhaus und Kirche neu aufgebaut und das Geld hierzu auf Collektereisen auch nach dem Auslande erbettelt werden. Ob der Patron, wie H. v. Nathusius annimmt, freiwillig Naturallieferungen und ein geringes Gehalt zugegeben, was als selbstverständlich weggelassen sei, will mir nicht recht glaublich erscheinen.
Die Akte lautet: Christian Nathusius jetziger Zeit Pfarr, gebohren A. 1625 am Tage Johann Baptistae (24. Juni) zue Priebuß in Schl. Unter Ihr Gnaden dem Herrn von Schollendorf. Der Vater heißet Elisäus Nath., welcher, nachdem Er von Priebuß nacher Sprembergk zum Schuldienst vociret worden, hatt sich dieser Pfarr Nath. anfangß derselben Schulen gebrauchet; von denn hatt Ihn sein Vater mit nach Lüben, aldae Er zum Rectorat in der Schulen vociret worden, genommen, aldae Er biß ins 4 de jahr verblieben, undt darauff sich nach Cottbuß begeben, nach Verflossenen 2 Jahren hat Er die Schule zue Guben visitiret, vndt sich vnter des damals Hrn. Rectoris Hl. Nicolai Vogelhaupts information begeben, Von dannen ist er nach Stralsundt gezogen vndt sich im selbigem Gymnasio 2 jahr aufgehalten; Nach diser Zeit hat Er 4 Jahr lang in der Insel Rügen bey zween von Adel präceptoriret, vnd Ihme etwas an sumtibus auff der Universität davon zu Lehn (Leben?) colligiret, gestalt Er da nach solchen verflossenen 4 Jahren auff die Universität nach Königsberg in Preußen sich begeben, vndt 2 Jahre aldae Verharret, A. 1652 ist Er von Königsberg abgezogen vndt sich zue seinem Vater nach Lüben begeben, Aldae Er sich 3 Vierteljahr aufgehalten undt von dannen zu Ihr Gräfl. Gnad. den Hr. Grafen von Solmß nach Sonnewalde dero jungen Herrn zu informiren, kommen, vndt 2 Jahr sich auffgehalten, durch welche Er seine itzige Ehefraw Catharina, Christian Königß Sel. burgers vndt Einwohners zu Finsterwalde tochter geheiratet, und A. 1655 von der Frau General Wölfersdorf als Patronin dieser Kirche anhero vociret vndt zue Lüben ordinirt worden.
Aus dem Visitationsprotokoll erfahren wir dann weiter, daß „die Unkosten zue der Ordination des Pfarrers hatt die Kirche müssen außlegen – noch nicht alles einkommen“, und daß während seiner Amtszeit Kirchenrechnung gehalten ist. Dann beschwert sich der Pfarrer über die Kirchenväter, die ihm nicht zu Willen seien, und über Gemeindeglieder, die ihn schimpften. Die Gartenzäune seien schlecht, die Pfarrwohnung nicht ausgebaut, Schnee und Regen könnten eindringen, eine Feuermauer sei nicht vorhanden, auch keine Studirstube, kein Boden, keine Stallung, der Brunnen sei eingefallen, auch der Backofen, es sei keine Einfahrt da, der Kachelofen und die Kamine seien zu ändern, die Decken zu bessern. Die einzelnen Punkte werden dann erörtert, die Kirchenväter sollen fleißig in ihrem Amt sein, diejenigen die den Pfarrer geschimpft haben, sollen abbitten. Die Gemeinde soll die Gartenzäune ausbessern, will mit dem Patron zusammen die Wände der Wohnung bessern, der letztere will eine Scheune einräumen. Der Pfarrer will in der matre (Mutterkirche Gehren) alle Sonntag predigen, in Riedebeck (dem einen Filial) nur alle dritte Sonntag, weil sie nicht ordentlich bezahlen. Zur Pfarre gehören: Gehren, wo die Herrn von Wölfersdorff in Bornsdorf und Luckau Patrone sind, Riedebeck, Patron von Wölfersdorff, und Wendisch-Drehna, Patron Graf Solms-Sonnewalde. Alle dritte Sonntag wird eine zweite Predigt in Drehna gehalten, die andern beiden eine in Riedebeck. Das Einkommen besteht aus: 18 Hühner aus Gehren; aus Riedebeck zwei Malter 11 Scheffel Korn, ein Malter 6 Scheffel Hafer, ein Gulden Geld an Zehnten; aus Drehna 11 Scheffel 2/4 Korn. Zur Pfarre gehören drittehalb Hufen Landes in Gehren, 5 Fuder Heu, schlechte Gärten, sonstige Bezüge erhält der Pfarrer zu Neujahr, bei Abendmahlsfeiern und Beichten. Das Inventar sind: 6 Gulden an Geld, 4 mäßige Schweine, 4 Gänse mit dem Gant, 3 Scheffel Hafer, ein Scheffel Heydekorn, 11 Scheffel korn Aussaadt.“

2. Aus dem Kirchenbuch von Goßmar.
Im Kirchenbuch in Goßmar, wohin Christian im Dezember 1683 berufen, berichtet er über seine bisherige Wirksamkeit: Hierhero aber nach Goßmar haben Se. Hochgräfliche Gnaden, der Hochgebohren ieziger Zeit regierende Graff und Herr, Herr Georg Friedrich, des Heyl. Röm. Reichß Graf zu Solms, Herr zu Münzenberg, Wildenfells und Sonnenwalde, vocirt und zu vociren gnädig beliebet. Mich Christianum Nathusium, Pribusio-Silesium, der ich seit ao. 1653, über 30 Jahr in dieser Graff- und Nachbarschafft unterschiedl. functiones durch Gottes Gnade und dessen mitgetheilete Gaben, iedoch ohne üppigen ruhm zu melden, unwürdig bedienet, alß von ao. 53 biß 55 die Informatur. auff dem Hoch Gräfl. Hauße zu Sonnenwalde bey dem Hochgebohrenen Reichß Gräfl. jung Herrl. Hr. Ernesto Augusto, Grafen zu Solmß, Liechischer Linie; wie auch dabenebst bey dem ebenmeßig Hochgebohrnen ReichßGräfl. jung Herrl. Hr. Wilhelm Ludwig, hochgedachten jezo regierenden Grafen und Herren, damals Eltestem Herrl. So aber beyderseitß in Gott Selig verstorben; Hierrauff Von Ao 55 in der Fasten, biß ao 57 auf Michaelis, und alß 2˝ jahr das Pfarr-Ambt zu Gehren. in der Luckauisch inspektion folgends Michaelis ao 57 biß Ostern ao 70, und alßo 12˝ jahr, das Pfarr Ambt zu Schön (walde) und Friederßdorff, woselbst Hr. Daniel Wolff, damals Schlesischer Exulant mir zum Ersten mahle succediret; Entlich von Ao 70 Ostern biß jetzo ao 83 nahe an Weynachten 13˝ und darüber das Diakonat in Sonnenwalde und Pastorat zu Zeckerin, daran mir mehrgedachter Hr. Daniel Wolff abermal succediret.
Zu welcher Diaconat-Stelle, weil ich nicht alleine ligitimam, sondern ja allerdings fast vere divinam vocationem gehabt, in ansehung, daß ungeacht nach des Sehl. Hr. Zachariae Ottens Tode, ich die gnädige Vertröstung zu gedachter Diaconats-Stelle erhalten, mir gleichwol Hr. Martinus Sf....witz von Fürstenwalde, ni fallor, fürgezogen, auf geschehene Gast-Predigt ao 69. Dominica (Zahl fehlt) post Trinitatem in Sonnenwalde gehalten, olsobald die Vocation erhalten, alß er aber anfangs ai 70 sich zu Wittenberg ordiniren lassen, auf rückwegs von Witteb. auf Berlin gereiset, seine guthe Freunde daselbst zu besuchen, ist er daselbst krank worden, also krank zu seinem Bruder, einem Advokato nach Lukkau kommen, und daselbst verstorben, ehe er Sonnenwalde, und einiger Mensch daselbst nach gehaltener Predigt Ihn widerumb gesehen. Darauff ich, der ich mir keine Gedanken mehr zu diser Stelle gemacht, über alles Verhoffen gegen Ostern selbiges Jahres die Vocationem von gnädiger Herrschaft erhalten, und mir zum anzuge mich gefast zu halten angedeutet worden, welcher auch bald nach Ostern erfolget. Weil nun .... . mußte ich also unverhoffet, wunderlich und von divinitus zu solcher Stelle gelanget, also habe ich auch dabey zu verharren und zu versterben mir beständig fürgenommen.
Dahero, als ao 79 HE. Michael Weger, treugewesener Pfarrer dieses Orthes mit Tode abgegangen, und die gesambten hiesigen Eingepfarrten auß iegl. Dorffe .... in person an mich in Sonnenwalde abgefertiget, und mich, daß ich Ihr Seelsorger zu werden mir belieben lassen wolle, ersuchen lassen, habe ich ihnen solches, ungeachtet der Vielen wiederwärtigkeiten, so ich bey solchen ohne deß mühsamen Ambte /:die mir über des durch des Sehl. HE. Büssers, als eines valetudinarij, vielfältige Krankheit sehr vermehret und zuweilen (da auf Seiner und fürnembl. seiner Leuthe seithe vielerley unbescheidenheit mit fürgelauffen) fast unerträglich gemacht worden:/ außstehen und in mich schlucken müssen, und dazu fast nicht mucken dürffen, mich auf meinen Schutzhaltenden Gott; auf mein Ambt und ordentl. Beruff zu demselben; wie nicht weniger auf meine Unschuld und gutes Gewissen verlassend, mit aller Hoff- und Freundlichkeit abgeschlagen, und sie also in der Güthe von mir gewiesen, habe ich aber daran unrecht gethan, wolle es der gütige Gott meiner Schwachheit zurechnen und mir diese Unwissenheit auß gnaden verzeihen!
Nachdem aber vor Hocherwähnter Sr. Hoch-Gräfl. Gnaden bey obgeregter Vorhabender mutation und Veränderung derer Pfarrer, mich auß Sonnenwalde vom Diakonat-Dienste zu nehmen und mich auf hiesige Pfarre zu setzen beliebet, deßwegen HE. Gottfried Henzsche, Hoch-Gräfl. Ambtß-Rat mir d. 28. Juny den ersten Vortrag verbis persuasorijs gethan, welches ich zu bedenken angenommen, die Sache nicht allein bey mir selbst, sondern auch mit zurathe Ziehung vornehmer und gewissenhafter Theologorum, reiflich überleget, und weil unterdessen die persuasoria (auch von hoher Hand) continuiret worden, also habe, in erwegung das nicht allein vor 4 Jahren die gesampten Eingepfarrten ihr gemüthe auf meine unwürdige person geworffen, ietzo Aber der gnädige Gefallen des Hoch-Gräfl. Collatoris und Episcopie (auß ursachen, die Gott Bekannt seyn) dazu kommt, ich hierauß den willen Gotteß, der abermal zu mir saget: Ibis quo te misero, Jerem. 1. Vers 7: Du sollst gehen, wohin ich Dich sende, erkannt, und ob Mir und den Meinigen zwar für der weitläufigen Haußhaltung, Beschwerlichen Ackerbau, am allermeisten aber für die Plage mit dem unbändig und unersätl. Gesinde ..grauet, mich dennoch dem gnädigen Willen Gottes in demüthigem Gehorsam unterworffen, und solche angetragene Pfarr-Stelle im Nahmen Gotteß anzunehmen mich resolviret, darauf mir den Pfarr-Acker durch die Eingepfarrten über Winter zu bestellen und mir gewisse Anzahl Schaffe halten zu lassen durch den HE. Ambts-Rath mir mündlich versprochen wurde. Wie aber solche Beschickung des Ackers geschehen, habe ich andertwegen in mein sonderlich diurnal aufgezeichnet. (Leider nicht erhalten.)
Hierauff hat sich aber alßobald eine und andere unrichtigkeit wegen des Inventarij sonderlich in puncto des Tüngers ereignet. Denn weil des Sehl. Hr. Wegers erben ex hoc fundamento, weil ihr Sehl. Vater nebst dem Pfarr-Acker auch ein Bürgerliches Ackerguth in Sonnewalde gehabt, und das futter von dorthen anhero geführet, und dadurch den Tünger dieses Orthes vermehret, nach ihres Vaters Tode sich des Tüngers angemaßet, und etliche fuder auf die Stadt-Aecker geführet, jedoch auf ergangene inhibition inne gehalten, und den übrigen dem Sucessori HEn. M. Steuernagel gelassen, welcher ihn aber nicht des ersten Herbstes alßofort auf die Aecker führen, sondern selbige ungetünget Beseen lassen, dahero er den winter über in dem sumpfigen Hofe wol mag verzehret worden seyn, daß er des folgendes jahres wenig davon mag gefunden haben (wie wol auch praesumirlich, weil er dem fürgeben nach 17 Stück Vieh von der Lebusa (Land Lebus?) hergebracht, daß Sie auch über ... auf dem Hofe nicht gemacht und alßo den untersten nicht gar haben verzehren und verterben lassen). Dem sey nun wie ihm wolle, HE. M. Steuernagel, als Antecessor prätendirt von mir den halben Tünger, Ich der ich Ihm, alß nunmehro Superintendenti nicht gewachsen, überließ die Sache Gnädiger Herrschaft zu entscheiden, der gnädige Abschied war dießer: Ich sollte allezeit zwey, HE. M. Steuernagel dagegen das dritte Fuder haben.
Mit meinen Fuhren verzog es sich, weil ich kein eigen Gespann hatte, sondern auf die Eingepfarrten warten mußte. HE. M. Steuernagel ward die Zeit lang, fuhr zu, und ließ durch sein eigen Gespann Tünger auf Schernickes Acker führen und betüngete eines von selbigen Guthes Stück am Sonnenwaldeschen Wege gelegen, darauf er 3 Scheffel Korn geseet, so viel mir vor ietzo annoch berichtet ist, Weil es aber bey diesem noch nicht würde verblieben sein; Und weil auch von den Eingepfarrten auf meiner seithen, ihrer gewohnheit nach, kleine Hof-Füderchen, auf des HE. Magister seithen aber starcke Fuder geladen, und alßo anstatt der 2/3 nicht 1/3 des Tüngers auf den Pfarr-Acker würde gekommen seyn, alßo bin ich genötigt worden, mit ihm überhaupt zu handeln, das der übrige Tünger bey der Pfarre verbleiben und Ich über Voriges noch 5 Scheffel mit Ihm auf Pfarr-Acker zur Hälfte seen solle. Worauff Er die Leuthe angehalten, daß Sie den Tünger auf die hinterste Breithe am Sonnewaldeschen Wege nach dem Kranckelberge herunter schießend, dicke schlagen müssen, alßo daß noch über den 4t. Theil desselben Stückes, auß mangel, unterwerts ungetünket bleiben müssen. Weil es nun abermal mit der Beschickung desselben durch die Eingepfarrten langweilig zugangen, alßo hat HE. Antecessor Ihm abermal die weile zu lang seyn lassen, und hat die Beste Hälfte dieses Stückes, vom Stadt-Wege an, alwo der meiste und beste Tünger gewesen, (daran er doch seine Leuthe keine Hand legen, sondern Ich ihn durch meine Magd auß den Ställen werffen, auch daß Wasser vom Hofe zu unterschiedl. Mahlen müssen abgiessen lassen) durch seinen Knecht und Gespann umbgepflüget, und ohne mein Zuziehen und Wießen Beseet und alßo, so viel mir ietzo noch wießend, 6 scheffel Korn über Winter in den auf der Pfarre gemachten Tünger ausgeseet.
Wenn dann, als Dominica 9. post Trinitat. war der 15. Augusti, daß wegen im Hochgräfl. Ambte in Beysein derer Eingepfarrten Richter und Schöpen zwischen uns deßwegen ein Vergleich angestellet, aber nicht vollzogen, iedoch von HE. Ambtß-Rath mir versprochen worden, daß so viel HE. Antecessor vom Tünger würde zu gemessen bekommen, ieso künftig mir oder denen Meinigen auch passirt und zu Genießen verstattet werden solle; also würde es die höchste unbilligkeit seyn, wenn das Inventarium nicht künftig hierauff eingerichtet, und mir oder denen meinigen nach meinem Tode dergleichen oder ein Aequivalens dafür zu genießen verstattet werden solle. Welches ich der Posterität zur Nachricht allhiero dem Kirchen-Buche einzuverleiben der Notturff erachet.
Der Abzug des HE. Antecessoris ging d. 6.10.br. (Dezember) oder Montages nach dem 2. Advent und folgende Tage, Bey welchem Er alles, was er für das Seinige gehalten (wie wol nicht unbillich) auch die Kramme für den äußersten Heuboden außgerissen und mitgenommen; Ueber dieses die Rick-Stangen, vom Scheidel-Thor am Dorfe an, um den Hofgarten biß an die Scheune, Ingleichen Von dem Kirchhofe an biß gegen die Scheune (weil die Wegerücken Erben dergleichen gethan) außgehoben und verbrandt; Entlich beim Abzuge unterschiedliche junge Bäume, die nicht nur Er selbsten gesetzt und gepfropft, sondern der eingepfarrten außsage nach, Von HE. Wegern Sehl. noch gesetzt worden, hat er außgehoben und mit sich nach Sonnenwalde genommen, wie solches die Berichte und KirchVäter Bey der Besichtigung vor meinem Anzuge befunden und mir erzehlet, auf derer relation ich es auch hierher gesetzt, auß gewißen Bedenken, weil die Leuthe er hernach nach Verfließung etlicher Zeit, mehrentheils aber auß affectu gegen eine oder andere Parthey, es leugnen, und nicht mehr wissen wollen. Bey seinem Abzuge hat er mir das zum Inventario gehörige Korn, und zwar das noch rückstehende, so ich zur Saat nicht bedurfft, vollends und also in allem 6 Malter Sonnewaldisches Maaß glatt abgestrichen, zumessen lassen.
Die 5 Thlr. am Gelde vor die 2 Kühe betreffend, ist davon 1 Thlr. vor die Tauben undt alten Stangen am Kohlgarten, die im geringsten mehr getauget, (also das ich selbiges Jahr nicht einen Strauch? .... behalten) vor iegliches 12 gr. abgerechnet, die übrigen 4 Thlr. nach vielen tergiversitiis allererst d. 13. November folgenden Jahres († Ao. 1684) mir entrichtet. Ihm hinietzo 3 Thlr. so Ihm aus der Kirche bezahlet (?) auf Gnädig Consens der Herrschaft geschenket worden.
An Gänsen sind mir geliefert oder vielmehr ungewiesen überlassen worden 1 Gäntsch und 2 Gänse, darunter eine Alte und eine junge, nicht von den Zeitigen, sondern ein Späthling, dahero ich sie als eine zur Zucht (ungeeignete) alsobald abgeschafft. Die Opfer-Pfennige von Michaeli biß zu Weihnachten gefällig, hat Er ebenmeßig gehoben und eingenommen. Item 3 Hühner und einen Hahn. An Rockenstroh hat Er mir 5 Schock durch den Knecht zuzählen lassen, welcher aber dabey gesagt, daß ihm, weil Sie ein Drescher-Bund auf 6 Pfund geschätzet, nur 4 Pfennig-Bund, und alßo diese ein wenig kleiner, als eine gewöhnliche Schütte zu machen sey befohlen worden.
Habe also im Nahmen Gotteß den 9. 10. br. (Dezember) den Anfang zum Anzuge gemachet, was der Freytag nach dem 2. Advent-Sontage, Dominica 3. Adventus habe ich zu Sonnewalde die Valet-Predigt gehalten (welches zu Zeckerin 8 tage vorhero geschehen) den Freytag drauff war ein großer Fest-Buß- und Beth-Tag, habe ich nebst der Buß- auch zugleich die Anzugs-Predigt zu Goßmar auß dem vorgeschriebenen Text: Jer. 4. v. 1, 2, 3, 4 gehalten, Gott segne den Auß- und Eingang, Absonderlich aber die heilige Ambtß- und Kirchen-Arbeith, Wenn ich demnach mit S. Paulo pflanze, 1. Cor. 3 und mit Apollo begieße, so gebe Er zu s. heil. Ehren daß Gedeihen mildiglich dahin, damit gleich wie der Regen und Schnee vom Himmel fället, und nicht wieder dahin kommet, sondern feuchtet die Erden, und machet sie fruchtbar und wacksend, das Sie giebt Saamen zu seen und Brodt zu essen: Alsso lasser Er, seiner Verheißung nach, das Wort, das auß seinem Mund geht, auch seyn, es nicht wieder leer zu ihm kommen, sondern thun, was Ihm gefällt, und Ihm gelingen, dazu Er´s redet. Esa. 55, 10, 11. Ueber einen Streit, den er 1695 mit seiner Gemeinde hatte, berichtet Christian Nathusius im Kirchenbuch zu Goßmar: Er hat für seinen Ackersmann, damit dieser wirtschaften kann, zwei Kühe gehalten und dem Hirten sechs Metzen Korn, die der Ackersmann geben sollte, vom Hutlohn abgezogen, da die Gemeinde sie geben müsse. Als die Gemeinde beim Grafen klagt, bringt der Pastor noch verschiedenes an, worüber er zu klagen hat, nämlich 1. Schaden durch Gänse an seiner Gerste von 2˝ Scheffel Aussaat. 2.) Nichtreinigen der Gräben am Pfarracker. 3.) Hüteschaden im Getreide am Haag in der Willing. 4.) Uebervortheilung bei Vertheilung der Neuländer. 5.) Unnöthiges Befahren eines Ackers, der zur Pfarre gehört. Hierauf erfolgt der Bescheid, daß das Korn an den Hirten die Gemeinde zahlen muß, ferner zu 1. der Pfarrer erhält keinen Schadenersatz, da er nicht erschienen ist; zu 2. die Gemeinde muß die Gräben räumen; zu 3. das Hüten wird verboten; zu 4. dieser Punkt sei bei seinem Antritt nicht erwähnt; zu 5. den Acker hätten nur Fremde befahren, keine Einheimischen. Dazu schreibt Christian: mein Sohn hat einen darauf getroffen. Das ist Gosmariensium integritas et veritas (der Gosmarer Redlichkeit und Wahrhaftigkeit).
1706 steht von der Hand des Nachfolgers geschrieben: In diesem Jahr hat am dritten Sonntag des Advents Hr. Christianus Nathusius, Pastor alhier als Emeritus seine Valet-Predigt gethan und ist beim Administriren ohnmächtig worden, und beym Altar niedergesunken, darauff Er den folgenden Mittwoch nach dem 4. Adv. war der 22. 10 br. (Dezember) nach Sonnewalde mit seinem verfertigten Sarg gefahren und von dem Gnädigen ReichßGraffen und Herren HEn. Heinrich Wilhelm, Reichß-Gr. Zu Solms und Erb. H. E. zu Sonnewalde p. lebenslang auf eigene Gnädige Kosten erhalten worden(!)
Ueber seine Uebersiedlung hören wir aus Sonnewalde: 1706. Im Geistlichen Stande ist diese veränderung vorgegangen. Nach dem der Sehrwohl Ehrwürdige Vorachtbare undt Wohlgelahrte Herr, Herr Christian Nathusius wohlmeritirter undt Treufleißiger Seelsorger der Christl. Gemeinde Zu Goßmar pp. Alters undt Schwachheit halber sein Ambt nicht länger verrichten Können, so hatt Er bey Ihre Hoch-Reichs Gräffl. Gnaden und Gnädige Immission gebeten, welche Er auch erhalten, undt Er herein in Sonnewaldte gezogen in Baudens Hauß, alfyo Er von Gnädiger Herrschaft ad dies vitae provision bekömmbt. An dessen Stelle ist vociret der WohlEhrwürdige großAchtbare und Wohlgelahrte Hr. Magister Joh. Georg Jahr wohl verordnet gewesener Diaconus zu Baruth.
Christian konnte sich der wohlverdienten Ruhe nicht mehr lange erfreuen, schon nach einem halben Jahr ist er gestorben. Das Kirchenbuch zu Goßmar meldet darüber: Herr Christian Nathusius Pastor zu Goßmar nunc Emeritus starb in Sonnewalde am Donnerßtage vor dem Fest S. S. Trin. war der 16. Junius zwischen 4 und 5 Uhr nach Mittage, als Er vorher an SteinSchmertzen fast drey Wochen Kranck und 8 Tage in avone gelegen, wurd Fer. Trin. den 19. Junij begraben, so, daß zu Sonnenwalde die Leichpredigt geschahe, welche HE. Dan. Wolff Diaconus und Confessor (Beichtvater) Defundi (hielte?), den Text hatte Er gewählet en Ps. 39, 9. 10. 11. Nun Herr, weß sol ich mich trösten. (Ist Vers 8 und lautet vollständig: Ich hoffe auf Dich.) Nach der LeichsPredigt trug man Ihn bis zum Luckauischen Thor hinaus, und setzte Ihn auf einen Wagen, da denn manche Begleiter wieder zurückkehrten, Viele aber nebst einem Hauffen Volcks mit biß nach Goßmar giengen, alwo in der Kirchgasse unter dem Herabnehmen vom Wagen ein Lied vom hiesigen Schulmeister gesungen und folgl. auf den Kirchhoff geführet wurde, die Abdankung (die gläubige Betrachtung der H. DreyEinigkeit bringt das seelige Anschauen derselben in Ewigkeit occasione dicti Pythagorae: primo triobolum cole) hielte der Pastor loci. Die sonderlichen Begebenheiten waren, daß alß die Leiche in die Kirche zu Sonnwalde getragen wurde, der Klöppel aus der Kleinen Glocke fiel, Und alhier ließen die Träger die Leiche in das Grab fallen, musten sie wieder herausheben, und sodann zu rechte einsencken, Gott gebe, daß alles seine gute Bedeutung möge haben. Christian Nathusius war 82 Jahr weniger 9 Tage alt geworden.