Niederlausitzer Fundgrube

Auszug aus der Zahnīschen Chronik

Geschichte des Klosters Dobrilugk

Die Eroberungszüge der Deutschen gegen die Wenden und die vielen späteren Kriegszüge hatten nicht vermocht, dem Christentum unter der Bevölkerung dauernden Eingang zu verschaffen. Die Handlungsweise der Deutschen, die Unterdrückung der unterjochten Völker, der Treubruch des Gero und die Ermordung der Lusitzer Fürsten, alle diese Umstände waren nicht darnach angetan, in der Bevölkerung Zutrauen oder gar Liebe zur Religion der Deutschen zu erwecken. So ist es leicht erklärlich, daß die Lusitzer immer noch an ihre alten Götter hingen, unter denen sie frei und glücklich gewesen waren. Zu den alten Göttern hatten die Lusitzer Zutrauen, und so benutzten sie jede Gelegenheit, um zum alten Kultus zurückzukehren und das so glühend gehaßte Christentum zu vernichten; denn nur mit dem Falle des Christentums konnte die alte Unabhängigkeit, die alte Selbständigkeit und Freiheit zurückzukehren. Das Christentum mit seinen hohen Zielen kannten die Lusitzer nicht als Religion der Liebe, Duldung und Erlösung, sondern ihnen war Christentum mit Deutschtum, Unterdrückung, Schwert und Brand vollständig identisch und so suchten sie auch beides zugleich abzuschütteln. Das Land war nach der Unterwerfung an die Vasallen des Kaisers verteilt worden. So finden wir zu Sunnenwalde zur Zeit der Klostergründung, als Burgwart einen Ritter von Ileburg (Eilenburg). Diesem Ritter gehörte das ganze Land der hiesigen Gegend bis Liebenwerda. Die Besitzungen dieser Familie erstreckten sich über die ganze Lausitz und an vielen Orten finden wir die Ritter von Ileburg. Mit der Besitzergreifung des Landes durch die Deutschen kamen mit den Rittern auch viele deutsche Colonisten in unsere Gegend, namentlich Niederländer. Man folgert dies daraus, weil in den alten Urkunden nach flandrischen oder vlämischen Hufen gerechnet wird; dieses Maß war sonst in Deutschland nicht gebräuchlich, sondern nur in den Niederlanden. Es ist auch möglich, daß diese Colonisten erst durch die Mönche ins Land gerufen wurden. Hauptsächlich waren die Vlamländer in der Gegend von Dahme längs des Lusitzer Höhenrückens, des nach ihnen benannten Fläming angesiedelt.

Mit Gewalt war dem Christentum unter der wendischen Bevölkerung schwer Eingang zu verschaffen, man wählte nun zu dem Zweck das allein richtige Mittel, die Klöster, welche damals noch die wahren Träger der Kultur, namentlich des Landbaues und der Wissenschaft waren.

An den Ufern der kleinen Elster, oder der trockenen, wie man diesen Fluß in der Vorzeit nannte, stand ein Serbendorf mit Namen Dobralug, das man schon im Jahre 1005 vom sächsischen Chronisten Tiethmar, Bischow von Merseburg in seiner Beschreibung der Feldzüge der Deutschen gegen die Wenden erwähnt findet. Der Name Dobrilugk ist slavischen Ursprungs und heißt richtiger Dobralug, weil das Hauptwort "Lug" d.h. Wiese, Aue weiblichen Geschlechts, "Dobra" aber die weibliche Form eines Eigenschaftswortes ist, welches in der männlichen Form "Dobry" lautet und "die gute" bedeutet, daher der Name durch "Gutenwiese" oder "Gutenaue" übersetzt werden kann. Der Name kann aber auch deutschen Ursprungs sein und ist nur wendisch verändert worden, denn die kleine Elster wurde vielfach die Dober benannt und so nannte man die daran liegende Niederlassung Doberloh oder nach meißnischer Mundart, aus welcher Gegend die ersten Kolonisten stammten, "Toberloh", welcher Name auch heute noch gebräuchlich ist. Der heutige Ort Dobrilugk befindet sich aber nicht an der Stelle des alten Wendendorfes, sondern dasselbe lag mehr der Elster zu. Die heutige Stadt in seiner ganzen Ausdehnung wurde erst im Jahre 1657-1664 angelegt.

In der Nähe dieses alten Wendendorfes wurde nun in dem Jahre 1184-1190 ein Kloster angelegt. Dasselbe war der Jungfrau Maria geweiht und war auch dieselbe die Schutzpatronin desselben. Ueber die Zeit und über die Gründung des Klosters ist schon viel hin und her gestritten worden und gehen die Meinungen darüber sehr auseinander. Als Gründer des Klosters nennt man die Markgrafen Dietrich oder Theodorich III. und Dedo der Ostmark. Die Jahreszahlen über die Gründung des Klosters stehen urkundlich nicht fest, da keinerlei Stiftungsurkunden existieren. Dietrich oder Theodorich III. starb im Anfang des Jahres 1184 und liegt auf dem Petersberge bei Halle begraben. Somit kann man, wenn man Theodorich als Gründer betrachten will, das Jahr der Gründung 1184 als letztes bestimmt annehmen. Die Gemahlin Theodorichs soll, der Sage nach, zu Dobrilugk begraben liegen. Verbürgt ist es nicht und ist daher auch die Begräbnisstätte niemals bekannt geworden. Worbs, einer der besten Historiographen der Lausitz, neigt sich aber der Ansicht zu, daß die Ritter von Ileburg, welche die ganze hiesige Gegend in Besitz hatten, die Gründer des Klosters sind, und Theodorich und Dedo die Stiftung und nachherige Erwerbungen des Klosters nur bestätigten. Diese Auffassung hat auch viel für sich und erscheint auch glaubwürdig. Wenn aber Theodorich die Stiftung auch nur bestätigte, so bleibt immerhin das Jahr seines Todes 1184 als spätestes Jahr der Klostergründung bestehen, da die Nachrichten des Klosters nicht früher reichen. Nachweisbar ist es aber, daß die Ritter von Ileburg dem Kloster viele Schenkungen machten und auch Ländereien dem Kloster verkauften.

In dieses gestiftete Kloster kamen nun Mönche, um ihre große Mission zu beginnen. Die Mönche gehörten zum Orden der Cistercienser, dieselben stammten aus Cisteux in Frankreich, wo der Abt Robert den verweltlichten Orden der Benedictiner 1098 reformiert hatte. Die Cistercienser-Mönche trugen beim Klosterdienst die weiße Kutte, für die Welt und beim Landbau eine schwarze, daher wurden die Cistercienser auch vielfach schwarz-weiße Brüder genannt. Eine der ersten Arbeiten der Mönche war die Erbauung der Klostergebäude und wurde dieselbe vom ersten Abt des Klosters Albertus geleitet. Die Cistercienser stehen in der Baukunst als die konsequentesten Verbreiter der in ihrem Heimatlande geborenen Gotik da. Auch zeigten die sämtlichen Bauten der Cistercienser aus jener Zeit gewisse durchgehende Eigentümlichkeiten, die ihnen den Charakter einer besonderen Schule aufprägen; es ist dies eine eigentümlich strenge Sinnesweise, möglichstes Fernhalten decorativer Zutaten in Verbindung mit frühzeitiger Aufnahme der gotischen Ideen. So zeigen alle in der Mark Brandenburg von den Cisterciensern erbauten Klöster, als Chorin, Lehnin und Neu-Zelle durchgängig dieselbe Anlage und Bauart, romanische Giebel, gotische Fensterbogen und Maßwerk. Auch die Gruppierung der Gebäude in der Anlage ist übereinstimmend.

Die gesamte Klosteranlage zu Dobrilugk bildete mit der Klosterkirche ein regelmäßiges Viereck. Mit einheimischem Materiale erbaut zeigten die Gebäude wenig ornamentalen Schmuck, da der Back- oder Mauerstein wenig Formenbildung zuläßt.

Bessere Steinarten, wie Sandstein, konnten bei den damaligen schlechten Verkehrsmitteln schwer herbeigeschafft werden und dienten dann als besonderer Schmuck zu Schlußsteinen und dergleichen. Die Kirche bildete den nördlichen Teil der Klosteranlagen, doch ist von der alten Klosterkirche, welche im Hussitenkriege zerstört wurde, wenig erhalten geblieben. Allem Anscheine nach stammt die Absis oder das Altarhaus von der alten Klosterkirche her und ist in den Kriegszügen erhalten geblieben. Die Fenster zeigen nämlich eine ganz abweichende Bildung und gehören zum romanischen Baustil, während die anderen Fenster der Kirche der Renaissance angehören. Auch haben die Fenster der Absis kleine Säulen mit romanischen Kapitälchen, welche der Ornamente wegen der Periode der Klostererbauung angehören. Im östlichen wie westlichen Flügel befanden sich die Zellen der Mönche, auch befand sich im westlichen Flügel das Refectorium, der Speisesaal und Versammlungsort der Mönche. Das einzige Gebäude, welches noch aus alter Zeit erhalten geblieben, ist das jetzt als Stallung benutzte Gebäude, welches mit seinen Giebeln einigermaßen den Baustyl der ganzen Anlage andeutet; dasselbe bildete den südlichen Teil des Klosters. In späteren Jahren hat man an der südlichen Seite des erwähnten Gebäudes eine Hofmauer aufgeführt. Bei dieser Gelegenheit wurde der Stein, welcher sich über der Tür befindet, eingefügt. Derselbe ist unzweifelhaft ein Schlußstein von einem Deckengewölbe des alten Klosters. Er zeigt als Ornament eine stylisierte Ranke, wo sich die Blätter nach innen kehren. Die Ecken des Steines zeigen noch die Anfänge der Gurte, welche an der Teilung des Gewölbes liefen. Es ist die leider wenig, was uns vom alten Kloster erhalten geblieben ist.

Der innere Hofraum des Klosters war mit Linden und Buchen, den Lieblingsbäumen der alten Deutschen bepflanzt; dieselben wurden erst im vorigen Jahrhundert bei Restaurierung der Kirche niedergeschlagen, angeblich, weil dadurch die Kirche feucht (!) gehalten würde. Diese Annahme hat aber nicht verhindert, daß Eichen und Tannen neu angepflanzt wurden, welche dem Ort eine weihevolle Stille verleihen. Der Klosterabt hatte seine Wohnung östlich vom Kloster und wurde die Abtei genannt; dieselbe wurde von Johann Georg von Sachsen zum Schlosse umgebaut und bildet jetzt die westliche Front des Schlosses. Wie die Mönche zu Lebzeiten im Kloster Ruhe hatten, so war auch der Ruheplatz der Toten beim Kloster. Der Friedhof lag östlich von der Kirche und nördlich von der Abtei und umfaßte das Terrain des heutigen Schloßgartens.

Eine genaue Abbildung des alten Klosters ist nicht mehr vorhanden, doch glich der Baustyl dem noch erhaltenen Gebäude. Am Fürstenchor der Kirche zu Kirchhain befand sich eine Oelmalerei aus dem Jahre 1663 mit einer Scene aus dem Leben Christian I. von Merseburg, im Hintergrunde sah man eine Landschaft, welche man seiner Lage und Bauart nach für Dobrilugk halten konnte. Darauf traten die Klostergebäude mit der vorbeifließenden Elster deutlich hervor. Es ist dies wohl die einzige Abbildung des alten Klosters. Bei dem Umbau der Kirche 1892 wurde das Fürstenchor abgebrochen und wurden die Bilder und die Beichtstühle in der Oberpfarre aufbewahrt.

Wenn man heute das Wort Mönch hört, so denkt man sich ein Wesen, wie es uns das Mittelalter und auch die neuere Zeit präsentiert, träge und unwissend in der beschaulichen Stille des Klosters, beim Bier oder sonstigem Zeitvertreib, oder auch bettelnd und singend und so dem lieben Herrgott den Tag stehlend; Gestalten, wie sie der Maler Grützner uns wundervoll vorzaubert.

Doch darf man sich durch diese moderne Vorstellung nicht beeinflussen lassen und sich nicht unter den Gründern des Klosters solche "Brüder" vorstellen, denn die Mönche waren wirklich eine Errungenschaft und Eigentümlichkeit ihrer Zeit. Die Mönche, welche damals ins Land kamen, waren wirklich die Träger einer hohen Kultur, nicht Männer der Wissenschaft, denn diese hätten in der Wildnis und unter der Bevölkerung ihren Zweck verfehlt, sondern Männer der harten Arbeit, welche im Ackerbau und der gesamten Kulturentwicklung wohl erfahren waren. Die Klöster damaliger Zeit waren die einzigen Burgen der Kultur. Die Mönche rodeten Wälder, rangen den wilden Bestien das Land ab, dämmten Flüsse, legten Teiche an und pflegten die Fischzucht, verwandelten wüstes Feld in Ackerland, pflegten Wiesenwachs und Viehzucht, legten Gärten an, befleißigten sich des Gemüsebaues, pflanzten Obstbäume und verwandelten sonnige Hügel in Weingelände. Sie lehrten und übten die mannigfachen Geschicklichkeiten und Künste der Handwerke und eröffneten vor den Pforten ihrer Klöster, denen religiöse Scheu den Frieden sicherte, die ersten Märkte. Sie haben der landwirtschaftlichen, gewerblichen und verkehrlichen Entwicklung redlich gedient. So waren diese Mönche ein Segen für das ganze Land und dazu angetan, das Christentum von einer anderen praktischen Seite zu zeigen als Gero und die anderen Machthaber.

Damals zeigten unsere Gegenden noch nicht die lachenden Fluren, sondern unwirtbares Land. Die Elster, welche damals zahlreiche Sümpfe bildete, machte die Gegend unpassierbar, das übrige Land deckte ein dichter Eichen- und Buchenwald und unfruchtbare Heidestrecken. Diese Sümpfe und Moräste entwässerten die Mönche, es wurden Gräben gezogen und Teiche angelegt, worinnen sich das Wasser sammelte. So finden wir heute noch Beweise und Spuren von der rastlosen Tätigkeit dieser unermüdlichen Pioniere; die flachen Teiche, wie der Birkteich und Fahrenteich, welche jetzt Ackerland bilden, der Küchen- und Jägerteich bei Dobrilugk, die ehemaligen Weinberge auf dem Galgensberge und dem Weinberge am Forst, welcher noch heute den Namen trägt. Die uralte und sehr starke Linde auf dem Weinberge stammt jedenfalls auch aus dieser Zeit. Der Gesundbrunnen im Hinterfelde beim Buchenwalde, welcher eisenhaltiges Wasser lieferte, soll von den Mönchen gefaßt und dann als Kurort für Blutarme benutzt worden sein.

Ueberall wirkten die Cistercienser segensreich und zu Chorin, Lehnin, Neuzelle und Zinna erblickt man heute noch die Spuren ihrer damaligen Tätigkeit. In der Germanisierung der slavischen Völker der Lausitz sind die Cistercienser von ganz entschiedenem Einfluß gewesen, auch England verdankt diesen Mönchen die Einführung und Hebung seiner Wollindustrie.

Die erste Klosterurkunde, welche man überhaupt kennt, datiert vom Jahre 1199, vermöge deren Conrad, der Markgraf der Ostmark, das von seines Vaters Bruder Theodorich gestiftete Kloster zu Doberluc oder Dobislug in seinen Schutz nimmt und die Grenzen der dazu gehörigen Besitzungen beschreibt, die von ihm allerwegen bestätigt werden. Die Urkunde ist auch schon der Ortsnamen wegen interessant.

"Die Grenzen fangen an bei Jawer1), gehen nach Wissok2) zu, von da geraden Weges nach Swynstege3) zu der Brücke Mutelitz4) bis zur Furt Scharischow, von da den Bach hinauf bis Bork5), bis zu den sieben Quellen6), bis zum Bruche Dresic7), von da abwärts zum Flußbette der Tellnitz8), von da bis Jamnitz9) über Wellenoz10) hinauf zum Ursprunge eines gewissen Baches Wewer Scilitz11) und mit demselben herab zum Flusse Primsniza12). Jenseits dieses Flusses gab der Markgraf dem Klosterbezirk acht flandrische Hufen, von wo aus man, am Flusse herangehend, in die trockene Elster kommt. Von da an geht man geraden Weges zum Anfangspunkte Jawer zurück.

Wir geben die heute ganz unverständlichen Ortsbezeichnungen nach den Ausführungen des Historiographen Worbs wieder:

(Die Grenzen fangen an bei Jawer1). Jawer oder Jawor heißt der Ahornbaum und bezeichnet mehr eine ganze Gegend als einen Ort. Wo diese Gegend war, kann man aus dem Schlusse der ganzen Grenzbeschreibung entnehmen, am rechten Ufer der trockenen Elster in der Gegend des Dorfes Grunow. Noch genauer bestimmt finden wir diese Gegend in einem Grenzbriefe von 1289 wo es heißt: "Die Gränzen (der Klosterwälder) nemen ein Begin an dem ufgeworfenem Höbele (colle comportato) bei der trugen Elstere bei Grunow undt ziehen sich mit anderen malen (Malzeichen) biz uf die Stat, do daz hültzine Crüze steht, fon der Stat aber mit andern malen biz uf die Hogewarte." Dieser aufgeworfene Hügel war also wie Jawer an der Elster und so, wie jenes, der erste Grenzpunkt auf dem rechten Ufer dieses Flusses. Beide Beschreibungen scheinen also einen und denselben Ort zu bezeichnen. Da die Gegend waldig war, so ist es desto mehr zu glauben, daß unter Jawer kein bewohnter Ort, sondern nur eine Gegend zu verstehen ist.

Nach der Grenzbeschreibung von 1199 führte die Grenze von Jawer nördlich nach Wissok,2) nach der von 1289 vom "ufgeworfenen Höbele biz uf die Hogewarte." Beides ist nun ein und derselbe Ort. Wissoc (eigentlich Wusoko, woraus an andern Orten gewöhnlich Weissig oder Weißagk gemacht worden ist) heißt hoch, und in einem Grenzbriefe von 1285 heißt es: "Sie (die Grenzen) fangen von Jawer an und gehen von da gerade nach Wissoc oder Hogewarte zu." Dieses Wissoc oder die Hogewarte war ein Wartturm mit Befestigungen im jetzigen Weißhauser Forstrevier beim Eichgarten (Jagen Nr. 119) an der Torgauer Straße. Diese Befestigungen standen mit der Heidewarte und der Burg Liebenwerda in Verbindung und waren von dem Polenfürsten Boleslav Chrobry, wie schon erwähnt, zum Schutze seines Reiches angelegt. Die Grenze führte als von Grunow in nördlicher Richtung.

Von der Hogewarte ging die Grenze "nach Swynstege"3), auch Schweinweg; sämtliche Urkunden geben keinerlei Winke über die Richtung und Lage dieses Weges. Man kann aber nach der ganzen Beschreibung annehmen, daß sich die Grenze östlich wendete und dieser Weg ungefähr mit der jetzigen Torgauer Straße zusammenfiel. Also die Prießener Straße bis zum Schweinebusch, bildete dort die Grenze zwischen Schulz, Kleinhof einerseits und Kirchhain andrerseits bis zur Elster wie sie heute noch vorhanden ist.

Nun heißt es weiter: bis zur Brücke Muteliz4). Die Brücke muß man nun zwischen dem Swynsteg und der Elster suchen wo dann die Furt Scharischow sein muß, wie auch das folgende per ascensum fluvii anzunehmen berechtigt. Genau läßt sich freilich nicht angeben wo die Furt war. Will man den Namen Muteliz übersetzen, so heißt Motil im polnischen der Schmetterling, die Motte. Die Brücke hätte hiernach also die "Mottenbrücke" geheißen. Diese Deutung, welche Worbs dem Worte Motyl giebt, hat ja etwas für sich, doch scheint es nicht die richtige Deutung zu sein. In der lateinischen Urkunde steht die Mehrzahl pontes. Es waren also mehrere Brücken, die zusammen diesen Namen führten. Man darf sich aber keine Brücken nach heutiger Bauart vorstellen, sondern sogenannte Knüppelbrücken oder Knüppeldämme auch Holzwege genannt. Auf Nachfragen bei älteren Leuten wurde auch constatiert, daß sich in der sumpfigen Gegend beim Buchenwalde in der Nähe des heutigen Schmerlteiches in früherer Zeit solche Knüppelwege vorfanden, die jedenfalls, wenn auch oftmals erneuert, ihren Ursprung auf die Klosterzeit zurückführen konnten. Holz war ja früher ein sehr beliebtes Material um feste Wege herzustellen. In diesem Sumpfe gab es jedenfalls auch viele Motten und andere Insekten und kann ja auch der Ausdruck Muteliz mit Mottenbrücke zusammenhängen. Im Russischen heißt Mùt das Trübe und "mutny" im Dialekt der Oberlausitzer Wenden "aufgerührt". Im Altslavischen heißt "Moty" der Koth, Unflat; in diesem Worte dürfte die Bedeutung eher wurzeln, als in der Bedeutung, welche Worbs ihm giebt.

Die Furt Scharischow muß man südlich von Kirchhain in der kleinen Elster suchen, dort bestand im Zuge der Dobrilugker Straße eine Furt, welche erst 1888 gesperrt wurde. Von da ging die Grenze "den Bach hinauf bis Bork"5). Dieser Bach ist jedenfalls derselbe, welcher von Hennersdorf kommt, die Plumpmühle treibt und sich auch in der Grenzrichtung in die Elster ergießt. Ob nun "Bork" ein Ort oder eine Gegend gewesen, ist nun schwer ersichtlich, wahrscheinlich ist der Hennersdorfer Berg damit gemeint, da sowohl der Plumpmühlgraben von dort kommt und auch die sieben Börne sich dort befinden. Unter den "sieben Quellen"6) sind die "sieben Börne" bei Finsterwalde zu verstehen. Von da ab ging die Grenze bis zum Bruche "Dresic"7) dem heutigen Drößig, südwestlich von Finsterwalde.

Unter "Tellnitz"8) muß der Bach verstanden werden, der aus dem Mühlbruche kommt und nach Fischwasser zur Schake fließt. Ein Waldstück heißt noch dort die Tilzker Heide. "Jamnitz"9) ist ein Ort, wo Gruben sind, (von Jamer, die Grube) und Wellenoz10) oder Welknoz (die große Nacht) sind nicht bewohnte Orte, sondern Gegenden zwischen dem vorigen und dem Weberfließ, wie der verstümmelte Name Wewer Scilitz11) heißen soll (wie sich aus dem Grenzbriefe von 1285 ergibt). Die große Nacht bezeichnet eine wahrscheinlich durch dichtes Laubholz finstere Waldgegend. Vom Weberfließ hat sich noch ein Ueberrest erhalten. Der Bach, welcher durch Sornow geht, bildet einen Teich oder Lug, welcher der Weberteich heißt. Dieser Bach ist ohne Zweifel das Weberfließ. Er fällt in einen andern der von Rückersdorf kommt, dieser muß unter der Primsniza12) verstanden werden, auch fällt er, wie diese tun soll, in die trockene Elster.

Auch Markgraf Theodorich von Meißen und in der Ostmark erteilte dem neuen Kloster bei Dobriluch unterm 26. April 1200 einen Schutzbrief, nachdem er die Grenzen desselben hatte untersuchen lassen, die mithin zweifelhaft gewesen sein mochten. Die in dieser zweiten Urkunde enthaltene Grenzbeschreibung stimmt mit der von 1199 buchstäblich überein.

Nach Heinrich des Erlauchten Tode gelangte Diezmann, Landgraf von Thüringen, in den Besitz der Lausitz. Durch den deutschen Kaiser Adolf von Nassau wurde er seines Erbes beraubt, doch gewann er es später wieder. 1290 brach der Krieg zwischen Markgrafen Friedrich und Diezmann gegen ihren Vater, der ihnen ihr rechtmäßiges Erbe entreißen wollte, und dessen Verbündeten den Markgrafen von Brandenburg aus. Das Klostergebiet hatte in diesem Kriege viel zu leiden. Da mehrere Klosterorte im askanischen und sächsischen Gebiete lagen, so verursachte die Schirmvoigtei über das Kloster nicht selten Zwist unter den meißnischen, böhmischen, sächischen und brandenburgischen Fürsten. Dietrich der Bedrängte schlug das Kloster 1210 förmlich zur Mark Meißen, weshalb es auch Friedrich, Markgraf von Meißen, von der Lausitz trennte, als er diese 1303 an den Markgrafen Woldemar von Brandenburg abtrat. Erst 1546 begaben sich die meißnisch-sächsischen Regenten des Schutzrechts über Dobrilugk, von dessen Gütern der größte Teil von jeher zur Lausitz gehört hat.
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Wenn wir von jetzt ab die Geschichte des Klosters weiter verfolgen, so gelangen wir nach und nach zu der Ueberzeugung, daß nicht allein die Ausbreitung des Christentums ausschließliche Beschäftigung der Mönche war. Mag auch dieses hohe Ziel anfänglich vorgeleuchtet haben, es artete aber doch in einem Streben nach Geld und Gut aus und von den Lehren des Christentums war wenig zu finden. So zeigen sich viele hochherzige und edle Vorbilder in der Geschichte, die aus edlem Idealismus das Wohlergehen der Menschheit auf ihre Fahne geschrieben hatten und ihnen lächelte auch der Erfolg, sie fühlten sich erhabener in dem Gefühle des gemeinnützigen Wirkens. Aber die Nachfolger, welche sich in denselben Bahnen wähnten, fühlten nicht den hohen edlen Zug, sondern klammerten sich an Kleinigkeiten und Nebendinge, und betrachteten ihr eigenes materielles Wohl als ihre Hauptaufgabe, verfehlten so die hohe Bedeutung ihrer Stellung und zeigten sich in jeder Weise als Menschen mit rein menschlichen Regungen. So finden wir auch beim Kloster Dobrilugk unter den späteren Aebten solche, die sich wenig um die Förderung des wahren Christentums kümmerten, sondern vor allen Dingen darnach strebten, die Interessen der Priesterschaft zu fördern. Wenn Dörfer mit neuen Kirchen beglückt wurden, so winkten auch dafür reiche Pfründe, somit hatte das Christentum auch seine praktische Seite. Meist herrschte das Bestreben, sich im Staate eine Macht zu gründen, mit der zu rechnen die Fürsten unter Umständen gezwungen waren.

Aus der Grenzbeschreibung ersieht man, daß das Klostergebiet anfänglich nur klein war, aber es erweiterte sich nach und nach zu einer so außerordentlichen Größe, daß mancher deutsche Kleinstaat, wie von Greiz, Schleiz und Lobenstein, den Klosterabt mit Neid angesehen hätte. Seine ausgedehnten Besitzungen erhielt das Kloster zum Teil durch die Güte frommer Geber. So schenkten die Ritter von Ileburg, zu Sunnewalde, dem Kloster verschiedene Ländereien. Auch die Gotsche, genannt Schaff, die Vorfahren der heutigen Grafen von Schaffgotsch, erwiesen sich sehr freigebig. Die Markgrafen der Ostmark bestätigten nun diese Schenkungen und taten auch noch einige hinzu. Markgraf Diezmann schenkte um 1190 u. A. drei Mühlen bei Belgern und Schlaberndorf, mehrere Mühlen zu Wahrenbrück und Liebenwerda, das Patronat zu Uebigau und an andern Orten des jetzigen Liebenwerdaer Kreises. So schenkte 1215 Landgraf Dietrich der Jüngere von Thüringen und Markgraf der Ostmark dem Kloster Dobrilugk zwei Seen bei Luberase dem heutigen Lieberose. Heinrich der Erlauchte von Meißen schenkte dem Kloster um 1240 ? der Voigtei über Kirchhain und 19 Dörfer dieser Gegend, das Vorwerk Wirsitz, das Patronat zu Wahrenbrück u. s. w. Sogar bis in die Gegend Berlins erstreckten sich die Besitzungen des Klosters. Eines der entlegentsten Dörfer der Dobrilugker Mönche war auf der Westseite wohl Zschakau bei Torgau, wo ihr Gebiet mit dem des Klosters Nimbschen bei Grimma zusammenstieß.

Die jetzt königliche Forst bei Schadewitz hieß in früheren Jahren der Markgrafenwald und war ein beliebtes Jagdrevier der meißnischen Markgrafen. Der Wald gehörte halb dem Markgrafen zu Meißen und halb dem Herrn von Ileburg zu Sunnewalde. Da der Markgrafenwald die südliche Grenze der Klosterbesitzungen bildete, trachteten die Mönche darnach, in Besitz desselben zu gelangen. 1300 verkaufte nun auch Herr von Ileburg seine Waldung für 100 Mark Silber dem Kloster. Auch die Fischwassersche Forst erwarben die Mönche von Ileburg im Jahre 1311. Nun waren die Mönche Nachbarn des Markgrafen geworden und reichten die Besitzungen bis an das Liebenwerdaer Bürgerholz und veranlaßten wegen ihrer Ausdehnung mancherlei Zwist mit dem landesherrlichen Forestarius z. B. 1385 mit Herrmann von Promnitz.

Das Kloster hatte um 1390 schon eine bedeutende weltliche Macht erreicht. Damals verfügte das Kloster auch über eine Truppenmacht, da die Lehnsleute des Klosters Heeresfolge leisten mußten. In dem genannten Jahre geriet das Kloster mit dem Fürsten von Anhalt in Konflikt und sehen wir den damaligen Abt Köckritz mit "streitbarem Volke" für das "Reich von dieser Welt" im Kampfe gegen die Anhaltiner.

Die Cistercienser Mönche von Dobrilugk scheinen in Luckau, besonders in kirchlichen Dingen, bedeutenden Einfluß gehabt zu haben, denn von Luckau aus wurde das Christentum unter den Wenden immer fester begründet und die Errichtung von Altären und Kirchen befördert. Viele Dörfer in der Nähe der Stadt gehörten dem Kloster und in der Stadt gelangte Abt und Convent zu Dobrilugk durch Theodorich den Jüngeren um 1280 in den Besitz eines Hofes (curia), des Mönchshofes oder Abtshauses. Die Cistercienser verloren aber zu Luckau ihren Einfluß, als 1291 durch Herrn von Drauschwitz das Dominikanerkloster daselbst gestiftet wurde.

Auch Lübben gehörte zum Kloster, doch ist es nicht ersichtlich, wann die Stadt an dasselbe gelangte. 1328 nennt sich Abt Dietrich von Dobrilugk auch Herr in Lubbin. Ein Jahr darauf überläßt das Kloster, kraft eines Verkaufs dem Herzoge Rudolf zu Sachsen Stadt und Schloß Lubbin mit allem Zubehör, wogegen der Herzog dem Kloster Trebitz (Tröbitz), Dubrau (Dübrichen), Prizin (Prießen), Buckewin (Buckowien) und Rycrasdorf (Rückersdorf) mit dem Patronatsrechte verkaufte, so daß die Belehnten, "welches Standes sie auch sein mögen, von dem jedesmaligen Abte das Lehn nehmen sollen."

So wuchs die Macht und die Größe des Klosters immer mehr. In Folge der ausgedehnten Besitzungen gelangten die Mönche zu immer größerem Reichtum. Dobrilugk war unter allen Klöstern des späteren Sachsenlandes das begütertste, so daß man auch das Sprüchwort hatte: "Cell et Buch faciunt unum Doberluch" d. h. Kloster Celle, bei Meißen auch Marienzelle genannt, und Buch zusammen sind erst so reich als Dobrilugk allein.

Die Hussitenunruhen in Böhmen wurden auch für das Kloster Dobrilugk verhängnisvoll. Die Hussiten, in Böhmen immer siegreich, beunruhigten bald die benachbarten Länder. Der Kampf, welcher nach König Wenzels Tode heftig entbrannte, drohte auch der Lausitz gefährlich zu werden, denn obgleich das Kloster Dobrilugk, sowie die Stadt Luckau, anfangs nicht an dem Bündnisse, welches Hans von Polenz, damaliger Besitzer der Niederlausitz, gegen die Hussiten, für den Kaiser Sigismund zu Stande bringen wollte, Teil nahm, so trat es doch später der Coalition bei, deren Haupt der Erzbischof Günther von Magdeburg war, er gründete um das Jahr 1425 in den Städten bewaffnete Gilden, die ihm Heeresfolge leisten mußten, und so war auf dem Reichstage zu Frankfurt a. M. 1427 unter den gegen die Hussiten verbündeten Fürsten auch der Landvoigt der Niederlausitz Hans von Polenz genannt. Von 1429 an wurden durch die Streifzüge der Taboriten, welche bis ins Innere der Mark Brandenburg (Bernau) und bis Magdeburg vordrangen, viele Städte der Lausitz, wie Guben, Cottbus arg mitgenommen. Man zählte über 100 Städte und Burgen wie 1500 Dörfer und Weiler, welche durch die Hussiten zerstört worden sein sollen. Nur Luckau widerstand den Hussitenhorden und verteidigte sich tapfer, namentlich schützten die Stadt die starken Mauern und Wälle. Auf die Klöster hatten es die Hussiten am meisten abgesehen, weil man hier die Verkörperung des Katholicismus am besten traf. Die Klöster Neuzelle und Dobrilugk wurden arg verwüstet. Von Dobrilugk und Kirchhain weiß man nur, daß beide von den Hussiten 1431 arg verwüstet und zum Steinhaufen gemacht und die Ortschaften der Umgebung total eingeäschert wurden. Der Landvoigt Polenz schloß endlich 1432 mit den Hussiten einen Frieden auf 2 Jahre, doch hielt der Kurfürst von Brandenburg einen Teil der Lausitz Kriegsentschädigungs halber besetzt.
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Zu Anfang des 16. Jahrhunderts war zu Wittenberg ein neuer Stern aufgegangen, der neues Licht brachte und ganz Deutschland in neue Bahnen führte, nämlich Dr. Martin Luther. Mit mutiger Hand schlug am 31. Oktober 1517 der kühne Mönch seine 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg und somit war das Zeitalter der Reformation und eine neue Bewegung im Denken des Volkes eingeleitet. Diese Hammerschläge, mittels welcher die Thesen angeheftet wurden, gaben das Signal zur Kirchenspaltung. Der weitere Verlauf der Reformation ist ja bekannt, um hier näher darauf einzugehen.

Viele Fürsten waren zur evangelischen Lehre übergetreten, nicht alle aus Ueberzeugung, sondern je nachdem es ihre Interessen erforderten oder zu erfordern schienen und es kam demzufolge bald so weit, daß der Satz, der Landesfürst habe über das Glaubensbekenntnis der Unterthanen zu verfügen und zu bestimmen, staatsrechtliche Bedeutung und Geltung gewann (Cajus regio, ejus regio"). Wie verlockend es für manche Fürsten sein mußte, mittels Annahme des Luthertums, der fürstlichen Würde auch die eines Landesbischofs beifügen zu können, liegt klar auf der Hand. Und dann das fette Finanzgeschäft der "Säkularisation" von Stiften und Klöstern, wie unwidersprechlich bewies es die Rätlichkeit, die Notwendigkeit der Reformation.

Ueberzeugte Lutheraner waren Friedrich der Weise und sein Bruder und Nachfolger Johann Friedrich der Großmütige.

Zur Zeit der Reformation hatte das Kloster Dobrilugk den Gipfel seines Reichtums und seiner Macht erreicht; die Reformation oder besser gesagt die Säkularisierungskunst bereitete auch dem Kloster Dobrilugk ein jähes Ende.

Das Kloster war demnach ein fetter Bissen, der von den benachbarten Fürsten mit Liebäugeln betrachtet wurde. Der damalige Besitzer der Lausitz, König Ferdinand von Böhmen, ein von den Jesuiten erzogener Fürst, stand mit dem aus Ueberzeugung zum Luthertum übergetretenen Kurfürsten Johann Friedrich dem Großmütigen von Sachsen auf gespanntem Fuße. Ferdinand wähnte das Klostergebiet vor seinem Nachbar Johann Friedrich nicht sicher und so ging er mit dem Plane um, das Kloster zu säkularisieren, was, abgesehen von der Geldbedürftigkeit des Kaisers, auch geschah, um dem sächsischen Regenten darin zuvorzukommen, welcher sich dieses Recht wohl aus historischen Gründen hätte anmaßen können, wenngleich damals Dobrilugk nicht zu Sachsen gehörte, denn Friedrich der Streitbare hatte es nebst Calau 1423 dem Kaiser Sigismund als eine Ausnahme von den ihm verliehenen sächsischen Landen förmlich überlassen. Der Kurfürst von Sachsen war aber schneller mit dem Säkularisieren bei der Hand als König Ferdinand, und da auch Johann Friedrich noch Geldforderungen an Ferdinand hatte, besetzte er 1540 das Klostergebiet und hatte sich so auf diese Weise gleich bezahlt gemacht; sonst hätte er wohl in den damaligen Religionswirren kein Geld erhalten. Diese Gebietsregelung wurde dann auch durch den Speyerschen Vertrag von 1544 bestätigt.

Die letzte Stunde hatte nun dem Kloster geschlagen. Ein großer Verlust war es wahrlich nicht, denn die Klöster hatten längst ihre ursprüngliche Bedeutung verloren. Der Kurfürst Johann Friedrich räumte nun mit dem Kloster gründlich auf. Der damalige Klosterabt Nicolaus hatte einen sehr schweren Stand, ihm rief das Schicksal den inhaltschweren Spruch zu: "Hic Rhodus, hic salta!" Entweder verließ der Abt das Kloster oder - trat zur lutherischen Lehre über. Um die immerhin noch gute Stelle zu behalten, tat Nicolaus den kühnen Sprung und trat zur lutherischen Lehre über. Die reichen Kirchengüter, die Geldbestände, alles wurde vom Kurfürsten eingezogen, auch das wertvolle Klosterarchiv mit sämtlichen Dokumenten und Urkunden ließ Johann Friedrich fortschaffen. Hiermit erklärt es sich, daß die wenigen noch vorhandenen Dokumente vom Kloster in alle Winde zerstreut wurden und demnach selten geworden sind. Dokumente vom Kloster befinden sich in den Universitätsbibliotheken zu Jena und Leipzig und in dem sächsischen Staatsarchiv zu Dresden.

Der schmalkaldische Krieg, der erste Krieg wegen der evangelischen Sache, fand auch den Kurfürsten Johann Friedrich den Großmütigen auf evangelischer Seite gegen den deutschen Kaiser Carl V. König Ferdinand von Böhmen hatte sich dem Kaiser angeschlossen und hoffte so wieder in den Besitz von Dobrilugk zu gelangen. Er erklärte dem Kurfürsten als einen Klosterzerstörer den Krieg. Das Kriegsglück neigte sich dem Kaiser zu und Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige wurde bei Mühlberg am 23. April 1547 geschlagen und im Schweinert bei Falkenberg gefangen genommen. Der Kaiser verurteilte den Kurfürsten als Rebellen zum Tode, als sich aber die anderen deutschen Fürsten darüber empört zeigten, wandelte er das Urteil in ewige Gefangenschaft um.

Der böhmische Oberfeldhauptmann Sebastian von der Weydemühle, Herr von Kommotau, besetzte nun das Kloster Dobrilugk und nahm dasselbe in Besitz. König Ferdinand von Böhmen traute aber seinem neuen Nachbar, dem listigen Moritz von Sachsen, nicht, auch litt er wieder an seiner alten Krankheit, die Geldnot, und darum verpfändete er nun das Kloster an den damaligen Landvoigt Albrecht Schlick, Grafen von Passau, für 49 800 Gulden.

Man darf nun nicht gleich seit 1540 das Klostergebiet als eine Herrschaft betrachten, denn bis 1602 hatte man immer noch im Sinn, das Kloster wieder herzustellen.

Um diese Zeit ist auch das Klostergebiet in Hinsicht der Steuern und Landes-Onerum zur Niederlausitz geschlagen und mit den Steuern derselben belegt worden, von welchen das Kloster bisher befreit war. Von dieser Zeit an wurde die Schatzungssteuer eingeführt und nach böhmischen Schocken (Groschen) gerechnet.

Was insonderheit die Schatzungssteuer anlangt, so sind die Prinzipien bisher nicht zu ermitteln gewesen, welche der Veranlagung zu grunde gelegt worden sind. Nur soviel ist ermittelt, daß Seitens der Stände jeder Stadt, jedem Domino und jeder freien Gemeinde ein gewisses Schatzungs-Quantum auferlegt worden ist; es ist aber nicht aufgeklärt, nach welchem Maßstabe das Quantum für jede Ortschaft festgestellt worden ist. Den Städten, Dominien und Gemeinden ist es überlassen worden, das dem Ganzen auferlegte Schatzungs-Quantum nach eigenem Ermessen auf den Grundbesitz zu verteilen. Diejenigen Städte, wo der Landbesitz Bestandteil von den Häusern ist, verteilten die Grundsteuer nach Maßgabe der Größe des Grundbesitzes, also auf die Ackerbürger-Nahrungen; diejenigen Städte aber, wo der Landbesitz unabhängig vom Besitze eines Hauses ist, wo die Ackergrundstücke aber das sind, was man Wandelgrundstücke genannt hat, verteilten die Steuer nur auf die Häuser. Um die Art der Verteilung kümmerten sich die Stände der Niederlausitz nicht.

Die Herrschaft Dobrilugk steht mit 75 002 fl. 11gr. 1014/17 pf. in der Schatzungsmatrikel. Davon treffen auf die Stadt Kirchhain 22 014 fl. 14 gr. 915/17 pf., auf die Finsterwaldischen sieben Dörfer 4592 fl. 13 gr. 711/17 pf. und auf die Vasallendörfer 4588 fl. 1 gr. 115/17 pf.

Schon im Jahre 1550 folgte dem Landvoigt Albrecht Schlick der sächsische Oberberghauptmann Heinrich von Gersdorf im Besitze der Herrschaft Dobrilugk. Das Weitere über die Familie von Gersdorf folgt in der Geschichte Kirchhains, da die Gersdorf mit Kirchhain vielerlei Verwicklungen hatten.
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